Von Männern am Amboss und anderen Troisdorfern, von einem Brunnen, der doch nicht römisch ist, und von Jean Claude, der zum Rheinländer wurde
Das Troisdorfer Jahresheft 2011 ist da!
Band 41 der Troisdorfer Jahreshefte ist erschienen. In 29 reich bebilderten Textbeiträgen von 20 Autoren auf 160 Seiten erfährt der Leser wieder Interessantes aus der Troisdorfer Geschichte und Gegenwart. Mal vergnüglich, mal wissenschaftlich, immer fesselnd. Bewährter Herausgeber des hochwertigen Bandes ist wieder der Heimat- und Geschichtsverein Troisdorf.

Die Titelseite ziert ein Foto des Troisdorfer Fotografen Thomas Ley. Es zeigt ein Buntglasfenster des Künstlers Ernst Jansen-Winkeln, welches früher das Treppenhaus des heute zum Stadtmuseum umgebauten Verwaltungsgebäudes gegenüber der Burg Wissem schmückte. Mit diesem großen Kleinod hat der Heimat- und Geschichtsverein viel vor. Unter dem Titel „Ein Vierteljahrhundert Arbeit für unsere Stadt“ lässt Thomas Ley den Heimat- und Geschichtsverein Troisdorf hochleben, der in diesem Jahr sein Silberjubiläum feiern darf.
Yvonne Andres-Péruche schreibt anlässlich dieses Jubiläums über die Vereinsentwicklung unter den bisherigen Vorsitzenden, Matthias Dederichs, Peter Haas, Harald Schliekert, Thomas Ley.
Das Fenster von der Titelseite, dessen Vergangenheit und mögliche Zukunft als eines der größten Kunstwerke in städtischem Besitz ist das Thema des folgenden Beitrags von Thomas Ley mit dem Titel „ Drei Männer am Amboss“. Als Phönix aus der Kiste soll das Gemälde von Ernst Jansen-Winkeln aus dem Jahre 1962 wieder in altem, neuem Glanz erstrahlen.
Aus berufener Feder stammt der Aufsatz über Leben und Werk des spätexpressionistischen Künstlers Ernst Jansen-Winkeln; Dr. Annette Jansen-Winkeln, Vorsitzende der „Stiftung Forschungsstelle Glasmalerei des 20. Jahrhunderts“ in Mönchengladbach, berichtet kenntnisreich vom künstlerischen Werdegang ihres 1992 verstorbenen Schwiegervaters, von dessen Werken und deren Bedeutung.
Dann erklärt Peter Haas dem staunenden Leser, was die Kranhäuser im Kölner Rheinauhafen und Wladimir Iljitsch Lenin mit der Burg Wissem zu tun haben.
Und um die Burg geht es auch im nächsten Bericht, in dem Peter Haas aufzeigt, unter welchen Umständen und zu welchem Schnäppchenpreis die Gemeinde Troisdorf einst in den Besitz des hochherrschaftlichen Gebäudes kam.
Im nächsten Block geht es um Menschen in Troisdorf.
Klaus Schmitz stellt die wertvolle Arbeit der Palliativstation des St.-Josef-Hospitals vor, die seit Jahren vielen unheilbar Kranken und deren Angehörigen hilft, ihr Leid zu ertragen.
Zwei Troisdorfer Persönlichkeiten widmet Klaus Schmitz die nächsten Beiträge: Dr. Lothar Watrinet, langjähriger Ärztlicher Direktor des St.-Josef-Hospitals und Ursula Reifenhäuser, die Grande Dame des Troisdorfer Unternehmertums und des Troisdorfer Stadtrats.
Mit einem liebevoll geschriebenen Portrait der Troisdorfer Künstlerin Ri Meuser von Eschmar knüpft Yvonne Andres-Péruche an eine lange unterbrochene Tradition der Troisdorfer Jahreshefte an; in den nächsten Jahren soll wieder regelmäßig über Künstler unserer Stadt geschrieben werden.
Zwei bedeutende Troisdorfer ganz anderer Art besuchte Klaus Schmitz in deren Ruhestand: Agnes und Matthias Nöbel, die an ihrem Marktstand auf dem Wilhelm-Hamacher-Platz über Jahrzehnte ihre zahlreichen Kunden und Fans mit leckerem Obst und Gemüse versorgten.
Von der anderen Seite des Globus, von Australien, kam Eric Beyer nach Troisdorf. Warum und wie er unsere Stadt lieben lernte, schildert Karin Hauber einfühlsam in einem reich bebilderten Aufsatz.
Ebenfalls viele bunte Bilder schmücken Rolf Möllers Erfolgsstory über die Druckerei an seiner Schule und die wertvollen Erfahrungen, die seine Schüler mit dem alten Handwerk machen.
Dr. Heike Lützenkirchen stellt als Museumsleiterin professionell das Bergheimer Fischereimuseum vor. Sie schreibt über dessen Entstehungsgeschichte, das Museums- und Ausstellungskonzept und das große ehrenamtliche Engagement, ohne das dieses schmucke Haus nie entstanden wäre und auch nicht funktionieren würde. Exzellente Fotos machen Lust auf einen Besuch des Museums.
Es folgt ein Klassiker der Troisdorfer Jahreshefte. Der Biologe Winfried Hellmund schreibt diesmal über das Thema „Formenvielfalt am Beispiel von Perlmutterfaltern und Hainschnecken“. Winfried Hellmund bereichert seit nunmehr 40 Jahren die Troisdorfer Jahreshefte mit seinen international anerkannten wissenschaftlichen Beiträgen zu Flora und Fauna unserer Heimat.
Sabine Teuber berichtet über Ihre Sextanerzeit. Da das Siegburger Gymnasium die elf Troisdorfer Schülerinnen des Einschulungsjahrgangs 1963 nicht haben wollte, erwiesen sich die Troisdorfer Oberlehrer als flexibel und nahmen die Mädchen kuzerhand in das 1961 gegründete Jungengymnasium auf. Ein spannendes Jahr bis zur Eröffnung des Sieglarer Mädchengymnasiums im darauf folgenden Frühling.
Zum 700. Namenstag von Altenrath folgen nun mehrere Beiträge zur Geschichte des Heidedorfes.
Achim Tüttenberg, Orstvorsteher des Troisdorfer Außenpostens, resümiert das, was er am besten kennt, die siedlungs- und bevölkerungspolitische Entwicklung seines Heimatortes in den letzten dreißig Jahren. Erwartungsweckend der Titel der Nachlese: „Altenrath 2011 – 30 Jahre zwischen Heimat- und Kult“. Zum Schluss läßt der Autor vier Altenrather persönlich zu Wort kommen.
Prof. Michael Werling, der an der Fachhochschule für Architektur in Köln lehrt und nicht nur den Lesern der Troisdorfer Jahreshefte als Verfasser des Troisdorfer Denkmalpflegeplans bekannt ist, macht den Leser fachmännisch mit der interessanten Baugeschichte der frisch renovierten Altenrather Kirche St. Georg bekannt. Fesselnd die Erklärungen zur nicht exakten Ost/West-Ausrichtung des Gotteshauses.
Manfred Krummenast liefert gleich drei Beiträge zu seinem Geburtsort Altenrath.
Mit dem ersten gedenkt er mit Dankbarkeit der Altenrather Lehrerin Anna Christine Grell, die nach dem letzten Krieg gegen heute unvorstellbare Widrigkeiten ihren pädagogischen Auftrag aufopfernd erfüllte.
In seinem zweiten Beitrag berichtet er als Zeitzeuge von der Evakuierung Altenraths ab 1936, den Häusern, die danach doch noch bewohnt wurden und von der gefährlichen Zeit direkt nach Kriegsende.
Sein dritter Aufsatz erinnert an den ersten Altenrather Sportverein nach dem Zweiten Weltkrieg, der bereits am 14. Oktober 1945 mit dem Namen „Verein für Leibesübungen 1945, Altenrath“ gegründet wurde. Bewundernswert das Improvisationstalent, das der Verein in dieser armen Zeit immer wieder bewies, um trotz Finanz- und Materialnot den Sportbetrieb am Laufen zu halten. Die Fußballmannschaft musste aber mal einige Zeit aussetzen, da der einzige Ball abhanden gekommen war.
„Ein Brunnen im Hause Spich“ ist das Thema von Prof. Michael Werlings zweiter Abhandlung in diesem Jahresheft. Wissenschaftlich präzise berichtet er von der spannenden Untersuchung des Brunnens mit neuesten Forschungsmethoden. Das jetzt endgültig vorliegende Ergebnis widerlegt die Annahme, es handele sich um einen Brunnen römischen Ursprungs. Aber einen Brunnen aus der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts zu haben, ist ja auch eine kleine Sensation.
Gleich zwei Autoren beschäftigen sich mit dem immer wieder heiß umkämpften Bereich der Siegmündung.
Yvonne Andres-Péruche schreibt über die wechselvolle Geschichte der „Pfaffenmütz“, jener Festung auf der ehemals der Siegmündung vorgelagerten Rheininsel.
Klaus Dettmann berichtet über die Kämpfe an der Siegmündung in den Jahren 1794 und 1795, in denen sich im sogenannten 1. Koalitionskrieg Österreicher und die französische Revolutionsarmee gegenüberstanden und über die eigens für diese Kämpfe von den Revolutionsgegnern erbauten Festung auf dem Kemper Werth.
In einem 14seitigen Aufsatz stellt Matthias Dederichs nach gewohnt sorgfältigen Recherchen „Die jüdische Familie Meier aus Spich“, deren schreckliches Schicksal in der Nazi-Zeit und seine Bemühungen um die Überlebenden der Familie vor.
Es folgt unter der Überschrift „Großindustrie bröckelt“ die Fortsetzung der kommunalpolitischen Chronik von Karlheinz Ossendorf. Diesmal erinnert er an die stadtgeschichtlichen Höhepunkte und -pünktchen der Jahre 1990 bis 1991. Karlheinz Ossendorf schreibt bereits seit 1983 regelmäßig für die Troisdorfer Jahreshefte. Dies ist der vorerst letzte Teil der Chronik, bis wieder einige zeitliche Distanz zu den Ereignissen gewonnen sein wird. Karlheinz Ossendorf geht den Troisdorfer Jahresheft-Lesern aber nicht verloren. Für nächstes Jahr hat er bereits Interessantes in Petto.
Unter der Rubrik „Mein Lieblingsplatz“ verfasste Adele Müller eine romantische Liebeserklärung an den Leyenweiher. Phantasievoll schildert sie Beobachtungen und Vorstellungen, die ihre Besuche am Heidegewässer für sie so wertvoll machen. Anna Ley, gebürtige Troisdorferin und Kunststudentin in Hamburg, schmückt den Aufsatz mit einem bewegenden Gemälde vom „Leyenweiher im Herbst“. Die Leser werden wieder eingeladen, ihren Lieblingsplatz zu beschreiben und den Text dem Heimat- und Geschichtsverein zur Veröffentlichung zukommen zu lassen.
Zum schmunzelnden Nachdenken bringen wieder die traditionellen Mundartbeiträge von Adele Müller („En zewerschte Jeeß“), Eberhard Ohren („Vom Heu en de Botzetäsch“) und Dr. Willy Neußer („Hoofiese“). Zum besseren Verständnis - nicht nur für Imis - hat Eberhard Ohren die Texte zum letzten Mal zeichnerisch illustriert.
Eberhard Ohren ist im Sommer diesen Jahres verstorben und wird uns allen als Mensch, Autor und Illustrator fehlen.
Yvonne Andres-Péruche, die fleißgste Schreiberin in diesem Jahresheft, entzückt die Leser wieder mit ihren „Neuen Familiengeschichten aus dem alten Rheinland“. Schier unglaublich, dass diese Geschichten alle in ihrer eigenen Familie passiert sein sollen, aber es ist so. Andres-Péruche zeigt wieder einmal ihre Gabe, Tragik und Komik in noch so kleinen Begebenheiten zu entdecken und humorvoll zu Papier zu bringen. In diesem Jahr stellt sie Überlegungen darüber an, warum und wie ihr französicher Vorfahr Jean Claude, Soldat in der Grande Armée zur Zeit der Revolution und unter Napoleon, wohl ins Rheinland kam und dort blieb. Sie berichtet „Vom zähen, aber unaufhaltsamen Aufstieg eines weiblichen Karnevalsjecks“,von einem „Mosel-Türchen im Januar“ und setzt mit dem Beitrag „Wie Großmutters Hut lichterloh brannte - Oder: Wie aus einem Kaplan ein Hase wurde“ ihrem Vater ein Denkmal, dessen Erzählungen Quell vieler ihrer Geschichten sind, auf die der Leser wieder sehr gespannt sein darf.
Traditionell, d.h. seit nunmehr fünf Jahren, schmückt eine Fotocollage von Thomas Ley die Rückseite des Heftes. Jedes Jahr zeigt er völlig subjektive Impressionen eines Troisdorfer Stadtteils. Nach Eschmar, Oberlar, Troisdorf und Bergheim ist es in diesem Jahr, wie könnte es anders sein, das Namenstagskind Altenrath.
Das Troisdorfer Jahresheft 2011 ist zum Preis von 8 € in folgenden Geschäften erhältlich:
• Buchhandlung Kirschner, Hippolytusstr. 19, Troisdorf • Mayersche Buchhandlung, Kölner Str. 13, Troisdorf • Tabakwarenfachgeschäft Andre Kreuzer, Kerpstr. 36, Sieglar • Reisebüro Ottersbach, Hauptstr. 162, Spich • Tabak und Zeitschriften Schäfer, Roncallistr. 55, Friedrich-Wilhelms-Hütte • Bestell-Shop Assenmacher, Sieglarer Str. 83, Oberlar • Schreib- und Spielwaren Schöneshöfer, Bergstr. 3, Bergheim • Familienzentrum „Heidepänz“, Flughafenstr. 22, Altenrath
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